Über mich

Ich bin Journalistin, Ethnologin, Kitesurferin und Reisende. Verliebt in Griechenland, seine Häuser, Menschen und Kultur. Immer auf den Spuren der antiken Göttinnen, auf der Suche nach Wind und einer kleinen Taverne am Strand. Und einer Sehnsucht nach dem Meer im Herzen. 

 

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  • Sigi Weiss

Griechische Ostern – was für ein Fest!

Aktualisiert: 30. Juli 2019

Ostern in Griechenland ist eine einmalige Erfahrung, denn es gilt den orthodoxen Gläubigen als das größte Fest des Jahres - und wird in der Kirche wie auch in der Küche zelebriert.


Es gibt eine sehr komplizierte Berechnung des Termins, in dem der gregorianische und der julianische Kalender, die Kirchenspaltung und Vollmond eine Rolle spielen, was dazu führt, dass in Griechenland bis zu fünf Wochen später die Auferstehung gefeiert wird, als in katholischen Ländern. Eine wunderbare Gelegenheit für einen Urlaub, denn das Wetter ist bereits frühlingshaft, die Griechen in überaus gastfreundlicher Laune und Griechenland zeigt sich üppig grün und von wilden Blumen überzogen.


Mystisches Zeremoniell


Das kirchliche Zeremoniell zieht sich über die ganze Osterwoche und steuert am Wochenende seinem Höhepunkt zu. Am Karfreitag werden in den unzähligen Kirchen und Klöstern Messen und Prozessionen veranstaltet. Dabei wird der Epitáfios, das goldbestickte Tuch mit dem Leichnam von Jesus auf einen hölzernen Sarg gelegt und viele Frauen laufen mehrmals um den Sarg herum, streuen Blütenblätter auf ihn und besprühen ihn mit Myrrhe. Am Abend des Karfreitages trägt der Pfarrer mit seinem Gefolge während des Gottesdienstes den blumengeschmückten Sarg aus der Kirche und läuft mit ihm um die Kirche.


Am Karsamstag geht es mystisch weiter, stundenlang wird die orthodoxe Liturgie gesungen, Weihrauchduft liegt in der Luft und die Griechen warten mit traditionell geschmückten Kerzen, der Lampáda in und vor der Kirche auf das Mysterium der Auferstehung. In der Kirche wird es dunkel und sobald der altgriechische Vers Défte lávete fós (Kommt und nehmt Licht) ertönt, wird das Heilige Licht vom Pfarrer an jeden Gläubigen weitergegeben bis alle Kerzen brennen. Um Mitternacht erklingt dann endlich der Psalm, der die Auferstehung von Jesus Christus ankündigt. Dann kommt die Dorfjugend ins Spiel, oft gibt es ein großes Feierwerk und laute Böller, die den religiösen Teil beenden und das ausgelassene Fest starten. Jedes Dorf, jede Kirche hat ihre eigene Art das Osterfest zu feiern, alle sind wunderbar und dank der orthodoxen Liturgie von einem mystischen Moment begleitet.


Χριστός ἀνέστη! Christus ist auferstanden!

Ein Festmahl um Mitternacht


Nach Mitternacht also – nach der langen Fastenzeit – kommen wir endlich zum kulinarischen Teil des Osterfestes, in der das Opferlamm eine zentrale Rolle spielt. Dabei dürfen das traditionelle Osterbrot (Tsuréki) sowie die ausschließlich roten Eier und das griechische Ostergebäck (Kulurákia) nicht fehlen.


Nach Mitternacht gibt es eine traditionelle Ostersuppe, in der die Innereien des Lammes verarbeitet werden – die Majirítsa, herrlich dickflüssig und mit vielen aromatischen Kräutern sowie einer Zitronensoße gewürzt – das erste Festmahl mit Fleisch.


Knuspriges Lamm


Der Ostersonntag beginnt mit dem Geruch von Feuer in den Tavernen, Gärten und Straßen der Inseln. Schon frühmorgens werden von den Männern große Feuer unterhalten, deren Glut stundenlang die Grillspieße befeuern wird. Dass dazu meist schon Ouzo, der aus Anis, Fenchel und Kräutern gebrannt wird, oder Tsiporou (aus Trauben destillierter Schnaps) getrunken wird, macht das Fest recht ausgelassen. Was noch von den Innereien über ist, wird zu einer besonderen Köstlichkeit, Kokoretsi, zusammengerollt, das knusprig, saftig und richtig gut vom Spieß kommt.


Am Spieß dreht sich stundenlang ein ganzes Tier, ein junges Lamm, das weniger als 8 Kilo haben sollte. Manchmal auch eine herrlich aromatische Ziege, die sich in den kargen Bergen Griechenlands ausschließlich von den wenigen Kräutern ernährt, die sie zwischen den Felsen findet. Dass in fast allen ländlichen Gegenden Schafe und Ziegen frei herumlaufen oder ganz klassisch von einem Hirten über die Hügel getrieben werden, garantiert, in Griechenland nur Fleisch aus der unmittelbaren Gegend zu essen.


Immer wieder wird das Fleisch mit Zitrone bestrichen und ständig gedreht. Es läuft einem das Wasser schon längst im Munde zusammen, bis das Fleisch zerteilt wird und das üppige Familienessen beginnt. Dazu gibt es griechische Klassiker: Patates, frittierte Erdäpfel, die händisch geschnitten und von heller Farbe und zarter Konsistenz sind, griechischen Salat und Tsatsiki. Es wird gegessen, getanzt, getrunken und gesungen. Wer das Glück hat, von einer überschwänglichen griechischen Familie zum Essen eingeladen zu werden, sollte diese Ehre keinesfalls abschlagen! Wer das Spektakel in der Taverne genießen will, sollte einen Platz reservieren – und sich auf ein lautes, ausgelassenes Fest einstellen!



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