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  • Sigi Weiss

Die Olive – Geschenk der Göttin Athene

Aktualisiert: 8. Okt 2019

Der Olivenbaum spendet nicht nur das Öl, das der griechischen Küche seinen Charakter verleiht, sondern war von Anbeginn ein heiliger Baum. Die Göttin Athene schenkte ihn den Einwohnern ihrer Stadt und wurde dafür zur Schutzgöttin erkoren.


Egal, wie weit man in der Geschichte Griechenlands zurückgeht, der Olivenbaum stand immer im Zentrum der griechischen Küche. Schon die minoische Kultur auf Kreta fertige riesige Tonkrüge an – so kunstfertig und dünnwandig, dass manche davon Eierschalenkeramik genannt wurde – in denen sie Olivenöl aufbewahrten und handelten. Auch in der Kunst, auf Keramiken, Siegeln und Wandmalereien, taucht die Olive auf. Es ist auch Kreta, das den ältesten Olivenbaum der Welt beherbergt, dessen Alter auf mindestens 2000 Jahre, möglicherweise bis zu 4000 Jahre, geschätzt wird.



Olivenbäume prägen die mediterrane Landschaft und nichts ist anmutiger als Hügel um Hügel kultivierter Olivenhaine. Ältere Bäume entwickeln knorrige Stämme, die oft wabenförmige Einbuchtungen haben, versehen mit schlanken, silbrig-grünen Blättern. Der Anblick eines Olivengartens mit uraltem Bestand lässt einen ganz von selbst an heilige Haine denken!


Der erste Olivenbaum – ein göttlicher Wettstreit

Die mythologische Bedeutung des Baumes geht auf einen göttlichen Streit zurück. Denn Poseidon, der Gott der Meere und Athene, die Göttin der Weisheit, des Handwerks und der Kriegslist, wetteiferten, wer über den Landstrich rund um die Akropolis herrschen sollte. Ein überaus mildes Klima, eine fruchtbare Ebene und zahlreiche Flüsse sowie die Nähe zum Meer zeichneten die Gegend in der Antike aus.


Zeus hatte einen Vorschlag. Beide, Poseidon und Athene, sollten dem Volk ein Geschenk machen, das von unvergänglichem Wert war. Der Schauplatz des göttlichen Wettstreits war der Felsen, auf dem heute die Akropolis steht. Der Gott des Meeres schlug seinen Dreizack ins Gestein und eine Quelle sprudelte hervor. Nur war er eben der Gott des Meeres, und das Wasser schmeckte salzig.



Athene wusste ein besseres Geschenk: Sie pflanzte den ersten Olivenbaum und wurde vom griechischen Volk zu ihrer Schutzherrin gekürt, denn der Olivenbaum spendete Nahrung, Öl und Holz.


Die jungfräuliche Göttin Athene wurde im Parthenon, dem schönsten Tempel der Akropolis, verehrt. Die Figuren des Westgiebels, deren Rekonstruktion man heute im Athener Akropolis-Museum bewundern kann, zeigen ihren Wettkampf mit Poseidon.


Lebenselixier der griechischen Kultur

Bis heute gilt der Olivenbaum in Griechenland als heilig und die Generationen überdauernd. Das grün-goldene Olivenöl ist ein Lebenselixier, das in der Küche und in der Körperpflege überaus gesundheitsfördernde Wirkung hat. Auch als Lampenöl, zur Herstellung von Seife, zur Produktion eingelegter Oliven und als Handelsware der antiken Griechen hatte die Olive eine überwältigende Bedeutung.


Die Ilias erzählt, dass die Liebesgöttin Aphrodite den toten Helden Hektor während des Trojanischen Krieges mit Olivenöl salbte, das mit Rosenblättern aromatisiert war. Die Sieger der olympischen Spiele trugen einen Kranz aus Olivenzweigen, der Glück, Unsterblichkeit und Friede symbolisierte.


Olivenernte

Der Sommer ist schon längst vorbei, wenn im November die Olivenernte startet. Ganze Landstriche in Messinien, der Mani und Kreta, wo die besten Öle herkommen, widmen sich ab November der archaischen Arbeit der Olivenernte. Da viele Bäume in abgelegenen Gärten, auf terrassierten Hängen und gebirgigen Gegenden wachsen, wird vieles noch in Handarbeit geerntet. Oft wird noch per Hand gepflückt und mit Stöcken oder Rechen nachgeholfen, dass die Olivenfrüchte fallen.



Netze unter den Bäume fangen die empfindlichen Früchte auf. Wer allerdings wartet, dass die Früchte von selbst vom Baum fallen, riskiert die Qualität der Oliven, da die dann überreifen Früchte schnell zu gären beginnen.


Frische Oliven sind kaum genießbar. Will man sie konservieren, muss man sie mehrere Wochen in Salzlake legen, bis man sie servieren kann.


In der Ölmühle

Wichtig für Geschmack, Farbe und Vitamingehalt, ist, die Oliven möglichst schnell in die Ölmühle zu bringen. Dort werden die ganzen Früchte gewaschen, von Blättern und Ästen gereinigt und zu einem Brei zermahlen. Dieser Brei wird gepresst und die Flüssigkeit zuletzt in einer Zentrifuge vom reinen Öl getrennt. Für kaltgepresstes Öl, das als natives Olivenöl extra auf den Markt kommt, darf die Temperatur beim Pressvorgang maximal 27 Grad Celsius erreichen.


Frisch gepresstes Öl hat eine leuchtend-grüne, aber trübe Farbe und schmeckt wundervoll, mit einem bitteren Kitzel am Gaumen. Nach wenigen Wochen klärt sich das Öl und nimmt die charakteristische dunkelgrüne Farbe an.



Wer das Glück hat, Griechenland zu dieser Jahreszeit zu bereisen, wird in den Olivenregionen am Peloponnes und Kreta kleine Straßenstände finden, oder Schilder vor privaten Häusern, in denen sich das beste Olivenöl erstehen lässt. In manchen Dörfern kann man Ölmühlen besuchen und vor Ort verkosten. Ein gutes Öl zeichnet eine ausgewogene Mischung von fruchtig, bitter und scharf aus.


Fast jede griechische Familie hat irgendwo in der Verwandtschaft jemanden, der sein eigenes Öl erzeugt. Oft reicht der Ertrag auch nur aus, um die Großfamilie zu versorgen. Denn der Stolz der Griechen ist das Olivenöl der eigenen Familie!

Abgefüllt wird dieses meist nicht in edle Flaschen, wie wir sie hier gewohnt sind, sondern in Blechkanister oder leere Wasserflaschen, in denen das Öl verschenkt wird.


Olivenöl für die Gesundheit

Kaltgepresstes Olivenöl ist ein reines Naturprodukt, das durch seinen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren als überaus gesund gilt. Auch die Wissenschaft hat die Eigenschaften des grünen Öls untersucht: es wirkt vorbeugend gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kann den Cholesterinspiegel senkt. Es fördert die Zellbildung und schützt die Zellen durch seine antioxidativen Substanzen gegen Freie Radikale. Außerdem wirkt Olivenöl entzündungshemmend im ganze Körper, sodass vielen Erkrankungen damit vorgebeugt werden kann.


Der Wirkstoff Oleocanthal ist einer der wichtigsten Wirkstoffe. Er macht nicht nur den leicht bitteren Geschmack von Olivenöl aus, sondern ist ein wirkungsvolles Antioxidans, das sogar Krebszellen angreift.



Die Griechen haben also schon damit recht, fast jede Speise mit reichlich frischem Olivenöl zu servieren. Eierspeise, Mozzarella, Feta, Salate, gebratenes oder geschmortes Gemüse, Fisch… fast überall kann frisches Olivenöl einen frischen, gesunden Geschmackskick verleihen.


Olivenöl für die Schönheit

Schon in der Antike galt Olivenöl als Schönheitselixier. Olivenöl ist voller Antioxidantien, die unsere Zellen schützen und damit auch die Hautalterung verzögern. Es zieht schnell in die Haut ein und versorgt die Haut dabei mit hautpflegendem Vitamin E. Ein weiterer Pluspunkt ist die Linolsäure des Öls. Sie kommt ebenfalls natürlich in unserer Haut vor und hilft als Baustein der obersten Hautschicht, sie vor dem Austrocknen zu schützen.


Schönheit wie eine griechische Göttin

Zur Entspannung und Schönheit kann man ein Vollbad mit einer Tasse Olivenöl und 3 Litern Milch als Emulgator anreichern. Das Öl hüllt die Haut in einen schützenden Mantel, es wirkt rückfettend und pflegt mit vielen natürlichen Vitaminen.


Bei sehr trockene Haut, kann man sich vor dem Baden mit Olivenöl einreiben und dann in ein Bad, versetzt mit 3 Liter Buttermilch und einer Tasse Bienenhonig, steigen. Einfach göttlich!


Auch ein vitaminreiches Peeling lässt sich schnell herstellen: ​Einfach 2 EL Olivenöl und 1 EL nicht zu grobkörnigen Zucker vermengen, auf die Haut auftragen und sanft massieren.


Beauty-Pflege, wie sie schon die Aphrodite schätzte!


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Über mich

Ich bin Journalistin, Ethnologin, Kitesurferin und Reisende. Verliebt in Griechenland, seine Häuser, Menschen und Kultur. Immer auf den Spuren der antiken Göttinnen, auf der Suche nach Wind und einer kleinen Taverne am Strand. Und einer Sehnsucht nach dem Meer im Herzen. 

 

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